Was mir Sorgen macht

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Es gab in den letzten Wochen und Monaten einige Nachrichten, die mir Sorgen machen. Ich muss mir das von der Seele schreiben.

Klimawandel

Die steigenden Wassertemperaturen in den Meeren führen zu immer stärkeren Stürmen. Zugleich nehmen Dürren zu. Das hat Auswirkungen auf die Lebensmittelversorgung.

Hier noch ein paar exemplarische Artikel:

Wir müssen also dringend unsere CO2-Emissionen reduzieren. Das bedeutet vor allem Elektrifizierung im Verkehr und in der Wärmeversorgung. Das hat weltweit massive Auswirkungen auf die Wirtschaft:

  • Batterieelektrische Autos (BEVs) werden Verbrenner (ICEs) verdrängen: 2024 hingen 773.000 Arbeitsplätze in Deutschland direkt an der Autoindustrie.[1] Zählt man noch die Zulieferer dazu, sind es 1,75 Millionen Arbeitsplätze.[2] Das sind etwa 4% der deutschen Arbeitsplätze. Allerdings sind diese 4% überdurchschnittlich gut bezahlt. Mit dem Festklammern an Verbrennern können wir zwar unsere Marktsegmente bei den Verbrennern halten, allerdings wird der Markt für Verbrenner schrumpfen. Das ist unser Nokia-/ Kodak-Moment.
  • Öl- und Gasförderung: Die Nachfrage nach Öl und Gas wird sinken. Gleichzeitig bleibt die Förderkapazität hoch. Das führt zu sinkenden Preisen. Ab einem gewissen Punkt wird es für viele Förderer nicht mehr rentabel sein, zu fördern. Das bedeutet, dass Förderer pleitegehen. Damit sinkt die Förderung wieder und die Preise steigen. Das ist für Kuwait, Saudi-Arabien, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Bahrain ein Problem.[3] Interessanter wäre es zu wissen, wie hoch der Anteil der fossilen Industrien in den USA und Europa wäre, aber diese Zahlen sind schwer zu finden. Mit ein paar Branchenriesen kann man einen ersten Eindruck erhalten:

    Unternehmen Land Umsatz Jahr
    Saudi Aramco Saudi-Arabien 604 Mrd. USD 2022
    Shell England 323 Mrd. USD 2023
    China National Petroleum Corporation China 266 Mrd. Euro 2020
    BP England 241 Mrd. USD 2022
    TotalEnergies Frankreich 237 Mrd. USD 2023
    ExxonMobil USA 178 Mrd. USD 2020
    Chevron USA 155 Mrd. USD 2020
  • Erze werden wichtiger: Für die Produktion von Batterien werden Lithium, Kobalt, Nickel und Graphit benötigt. Niemand weiß, welche Erze in Zukunft wichtig sein werden. Ähnlich wie in der Autoindustrie wird es hier eine Verlagerung von Öl und Gas zu den Batterie-Rohstoffen geben. Mit der Zeit wird Recycling wichtiger werden.

Der Rückgang der Kohleförderung und die Krise der Stahlindustrie haben im Ruhrgebiet zu einer massiven Arbeitslosigkeit geführt. Das hat die Region bis heute nicht überwunden. Ähnliches werden wir nun weltweit erleben. China hat sich mit der Förderung der Solarindustrie und Elektroautos gut positioniert. In Deutschland schießen wir uns mit dem Festhalten an Verbrennern, abrupten neuen Förderungen und deren plötzlichen Streichungen ins Knie:

  • Altmaier-Knick (2012): Die Deckelung und Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) hat zu einem Einbruch im Ausbau der erneuerbaren Energien geführt. Das hat die deutsche Solarindustrie zerstört.
  • 10H-Regelung (2014): Horst Seehofer hat diese Regelung eingeführt, um den Ausbau von Windkraftanlagen zu bremsen. Diese Regelung brachte den Windkraftausbau in Bayern praktisch zum Erliegen.[4]
  • E-Auto-Förderstopp (2023): Die Bundesregierung hat die Förderung von Elektroautos gestoppt. Das hat zu einem Einbruch der Verkaufszahlen geführt.
  • Deutschland als unzuverlässiger Partner (2024): Wir verhalten uns weder intern noch nach außen verlässlich. Dieses Wackelverhalten ist als "German Vote" bekannt. Es führt dazu, dass Investoren sich konservativ verhalten und kein Risiko eingehen. Wer weiß schon, was (politisch) morgen gilt.
    • Verbrenner-Aus: Deutsche Blockade wiederholt sich beim LKW: FDP blockiere die Zustimmung zu den neuen CO2-Flottengrenzwerten für Lkw
    • Wärmepumpen: Die BILD-Zeitung hat in vielen Artikeln gegen Wärmepumpen gewettert. Dies hat zu Fehlinvestitionen geführt, welche sich in den kommenden Jahren rächen werden. Da große Teile der Politik keine Verbote aussprechen wollen, sondern auf einen Preismechanismus setzen, muss der CO2-Preis steigen. Das bedeutet, dass Leute, die sich jetzt eine neue Ölheizung einbauen, in den kommenden Jahren mit hohen Kosten rechnen müssen. Das so verlorene Geld kann nicht für andere Investitionen genutzt werden. Alternativ, und leider wahrscheinlicher, wird die Politik den Preisanstieg abfedern - und somit das Ziel der CO2-Reduktion bewusst sabotieren.

Demografischer Wandel

Altersstruktur

Deutschland wird älter.

Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland 2022

Das führt insbesondere dazu, dass das Verhältnis zwischen Einzahlern in das Gesundheits- und Rentensystem und den Empfängern schlechter wird. Wenn wir Pflegende zumindest gleich gut wie früher bezahlen wollen und auch die Leistungen der Kassen für die Kranken/Pflegebedürftigen gleich bleiben sollen, dann müssen Arbeitnehmer mehr einzahlen.

Das führt zu einem Wohlstandsverlust.

Bekämpfen kann man das durch folgende Maßnahmen:

  • Zuwanderung: Wenn mehr Menschen in Deutschland arbeiten, dann zahlen auch mehr Menschen in die Sozialsysteme ein.
  • Automatisierung: Produktivitätssteigerungen können steigende Kosten auffangen. Im öffentlichen Dienst muss man Prozesse digitalisieren, das bedeutet, sie zuerst zu vereinfachen und über kommunale Grenzen hinweg zu standardisieren. Dann kann man sie möglichst komplett digital abbilden. Ohne Papier, ohne Bruch in der digitalen Kette. Das spart Zeit und Geld, weil man viele Prüfungen nicht mehrfach machen muss. Im besten Fall können sie auch komplett automatisch laufen. Allerdings bekommen wir das seit Jahrzehnten nicht hin. Wieso?
  • Gesundheitsförderung: Wenn die Menschen gesünder sind, dann fallen weniger Kosten an. Erhöhte Preise für Alkohol (vgl. Finnland), Zucker und Tabak könnten ein Schritt sein. Kurse zur gesunden Ernährung. Japan macht das vor.

Es bereitet mir Sorge, dass die meisten Parteien in Deutschland nicht bereit sind, diese Maßnahmen zu ergreifen. Viele arbeiten sogar aktiv dagegen.

Räumliche Verteilung

Ein weiterer Aspekt des demografischen Wandels ist die räumliche Verteilung der Menschen. Wo wohnen wir?

Die folgende Grafik von Wikimedia Commons zeigt es sehr schön:

Bevölkerungsdichte 2022 in Deutschland

Auch über die Liste der deutschen Bundesländer nach Bevölkerungsentwicklung kann man ein paar Eindrücke gewinnen.

Mal zusammengefasst:

  • Große Städte wie Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf und Dortmund wachsen.
  • Ländliche Regionen verlieren Einwohner.
  • Der Süden (Bayern und Baden-Württemberg) wächst.
  • Der Osten (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern) schrumpft.

Das Problem dabei ist der Wohnraummangel in den Großstädten.

Populismus und Rechtsextremismus

Ich beobachte weltweit, dass Populisten mehr Gehör finden. Unter Populismus verstehe ich Politiker, die einfache Lösungen für komplexe Probleme anbieten. Lösungen, die einfach nicht funktionieren können und daher nur solange vorgeschlagen werden, wie man sie nicht einlösen muss. Ein Beispiel ist "Mehr Geld für das Gesundheitssystem (NHS) durch den Brexit". Oder "Steuersenkungen ohne Einsparungen und ohne neue Schulden".

Unter "politisch rechts" verstehe ich grundsätzlich konservative Politik. Das ist nicht per se schlecht, kann im Extremfall aber zu Nationalismus und Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Fremdenfeindlichkeit, Sexismus, Geschichtsrevisionismus, Klimawandel-Leugnung und Impfgegnerschaft führen. Häufig auch gepaart mit Autoritarismus und Verschwörungstheorien.

Deutschland

In Deutschland hat die AfD in aktuellen Umfragen zwischen 17% und 19,5%. Die Partei fällt mir durch Folgendes auf:

USA

Mit der erneuten Wahl von Trump werden wir wohl viel mehr in dieser Richtung sehen:

  • Kanada-Annexion[6]
  • Grönland-Annexion[7]
  • Mexiko-Invasion[8][9]
  • Panamakanal-Übernahme[10]
  • Fracking-Boom[11] und Klimawandel-Leugnung[12] und Ignorieren von Umweltschutz[13]

Europa

Wirtschaft

Die meisten Menschen in Deutschland und den USA spüren die steigenden Preise für Mieten und Lebensmittel. Wir nennen das Inflation, aber die Analyse für die Ursachen bzw. die Möglichkeiten zur Bekämpfung sind sehr unterschiedlich. Viele Menschen scheinen zu denken, dass es ein Geldproblem ist. Nur dann ist es folgerichtig, die Zinsen zu erhöhen, damit weniger Geld in Umlauf kommt. Meine Analyse ist eine andere: Wir haben ein Produktionsproblem. Die Weltwirtschaft wurde durch die Corona-Pandemie und damit zusammenhängende Isolationsmaßnahmen, die Ever Given im Suezkanal, sowie den Krieg zwischen Russland und der Ukraine und die von der EU verhängten Sanktionen gestört.

Und es wird wohl auch so weitergehen:

  • Handelskriege: Trump will Zölle mit Mexiko und Kanada[14], China[15] und mindestens 10% auf jegliche Importe einführen[16].
  • Strukturwandel durch Elektrifizierung: VW musste wegen Absatz-Problemen Werke in Deutschland schließen. Solange wir uns nicht auf Elektroautos einigen, wird das weitergehen. So ähnlich wie der Markt an Pferdekutschen zwar dominiert werden kann, ist er halt doch nicht relevant. Wir können den Verbrennermarkt dominieren, aber die Größe des Verbrennermarktes wird in den nächsten 20 Jahren einbrechen.
  • Strukturwandel durch Automatisierung: ChatGPT hat eindrucksvoll gezeigt, dass Rechercheaufgaben von Software übernommen werden können. Wir werden in den nächsten Jahren beobachten, wie Büro-Jobs zuerst wesentlich effizienter von hochqualifizierten Arbeitskräften mit KI-Unterstützung erledigt werden. Dann werden weniger Jobs in dem Bereich benötigt. Und irgendwann werden manche dieser Jobs auch komplett verschwinden. Wir reden immer vom Fachkräftemangel, als wäre es ein allgemeiner Arbeitskräftemangel. Ist es nicht. Wir haben 2,6 Millionen Arbeitslose, aber nur etwa 1,3 Millionen offene Stellen (die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sind deutlich niedriger, weil nicht jede Firma offene Stellen der Bundesagentur meldet). Das wird noch extremer werden. Wenn wir weiter das Märchen über "die faulen Arbeitslosen" erzählen und glauben, werden die sozialen Spannungen weiter zunehmen.

Einzelnachweise


  1. Warum die Autoindustrie so wichtig ist via ZDFheute, 23.09.2024. ↩

  2. Automobilindustrie: Deutschlands wichtigster Industriezweig mit Produktionsrückgang um 7,1 % im 2. Halbjahr 2018 via Destatis, 09.04.2019. ↩

  3. René Muschter: Golfregion: Anteil der Erdölrenditen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Staaten des Golf-Kooperationsrats in den Jahren 2011 bis 2021 via Statista, 29.10.2024. ↩

  4. Ausbau in Bayern via Energie-Atlas Bayern, abgerufen am 25.12.2024. ↩

  5. Grundsatzprogramm via AfD, abgerufen am 27.09.2026. ↩↩

  6. Canadians respond to Trump's jibe that country could become 51st state via BBC, 18.12.2024. ↩

  7. Rebecca Shabad: Trump says ownership of Greenland 'is an absolute necessity' via NBC News, 23.12.2024. ↩

  8. Asawin Suebsaeng, Andrew Perez: Team Trump Debates ‘How Much Should We Invade Mexico?’ via Rolling Stone, 27.11.2024. ↩

  9. Alexandra Ulmer: Trump threatens to designate Mexican cartels as terrorists via Reuters, 22.12.2024. ↩

  10. Panama: Protesters say 'enemy' Trump must leave canal alone via DW, 25.12.2024. ↩

  11. Leah Sarnoff: What Trump's 'drill, baby, drill' fracking agenda could look like via ABC News, 20.11.2024. ↩

  12. Trump picks oil industry executive, climate change denier to lead Energy Department via The Times of Israel, 17.11.2024. ↩

  13. Mary Whitfill Roeloffs: Trump Says Companies Investing \$1 Billion In U.S. Will Soar Through Environmental Regulations via Forbes, 10.12.2024. ↩

  14. Arthur Sullivan: Mexico and Canada weigh potential fallout of Trump tariffs via DW, 12.12.2024. ↩

  15. Breaking Down Trump’s Tariffs on China and the World, in Charts via The Wall Street Journal, 03.12.2024. ↩

  16. Jasper Jolly, Lisa O’Carroll: Trump’s trade tariffs: how protectionist US policies will hit German carmakers via The Guardian, 09.11.2024. ↩